Das Material, auf dem sich vermutlich Fingerabdrücke befinden, kommt dabei in eine Hochvakuum-Bedampfungsanlage - eine Art stählerner Ofen. In einem ersten Schritt pressen Pumpen die Luft aus der Röhre und erzeugen so ein Vakuum. Im unteren Bereich der Anlage befinden sich Verdampfungsschiffchen aus Edelstahl, die zwischen zwei Strompolen liegen. Durch den "Ofen" wird Strom geschickt, der die Schiffchen erhitzt, sodass das Metall schmilzt und dann verdampft. Durch das Vakuum verteilen sich die Metallmoleküle gleichmäßig in der Röhre und schlagen sich als extrem dünne Schicht nieder: auf den Wänden der Anlage und auf dem Stoff.
Um Fingerspuren sichtbar zu machen, kommt es beim Einsatz der Metalle aber auf die richtige Reihenfolge an: Erst wird Gold und anschließend Zink verdampft, das sich an den Goldmolekülen anlagert. An den Stellen, die von einer Person angefasst wurden, ist auf diese Weise ein goldener Fingerabdruck zu sehen, die anderen Bereiche sind von einem Zinkschleier überzogen. Wird ein brauchbarer Fingerabdruck sichergestellt, muss dieser direkt nach Verlassen der Hochvakuum-Bedampfungsanlage fotografiert werden, denn Gold und Zink reagieren mit der Luft - deshalb verändern sich die Abdrücke auf dem Stoff sehr schnell.
Die Qualität der Abdrücke hängt zum einen von der Menge des Schweißes auf der Hand des Täters ab - eine Faustregel: Wer viel schwitzt, hinterlässt auch eher brauchbare Spuren. Zum anderen ist die Beschaffenheit des Stoffes eines der ausschlaggebenden Kriterien: Wolle oder Baumwolle - kurz: Materialien, die eher grobmaschig sind - eignen sich für dieses Nachweisverfahren wenig bis gar nicht. Die besten Ergebnisse werden bei dicht und fein gewobenen Stoffen wie Polyester, Seide oder Nylon erzielt. Aber selbst wenn die Qualität des Fingerabdrucks nicht für die eindeutige Zuordnung einer Person ausreicht, so liefert sie doch entscheidende Hinweise. Beispielsweise kann der Abdruck einer Handfläche auf der Rückseite eines Kleidungsstücks darauf hinweisen, dass jemand nicht von der Brücke oder dem Balkon gesprungen ist, sondern gestoßen wurde. Und: Die Griffspur stellt nicht zuletzt einen lohnenden Anhaltspunkt für die Suche nach DNA-Spuren dar.
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Doreen Köstler
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