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Mit Zink-Experten im Gespräch

Nachfolgend finden Sie Zitate, Statements sowie Interviews mit Experten, Wissenschaftlern und Anwendern rund um Zink. Dieser Bereich wird kontinuierlich erweitert, so dass es sich lohnt, von Zeit zu Zeit wieder vorbei zu schauen.

    • Dr. Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der IZA
    • Dr. Peter Jahns, Effizienz-Agentur NRW
    • Die Effizienz-Agentur NRW (EFA)
    • Johann Wackerbauer, ifo institut
    • Anna Braune, PE International GmbH
    • Hans R. Peters, Institut Bauen und Umwelt e.V.
    • Stephen Wilkinson zur Zusammenarbeit von IZA und UNICEF
    • Stephen Wilkinson - mp3
    • IZA-Forschungschef Goodwin über das Galvanized Autobody Partnership-Programm
    • Frank Goodwin - mp3
    • In Zukunft wohnen wir ganz anders - Prof. Rogall über Werkstoffkombinationen mit Zink
    • Armin Rogall - mp3
    • Dirk Böttcher, Sprecher der Initiative Zink
    • Dirk Böttcher - mp3
    • Böttcher-Interview als Text
    • Ich wünsche mir Hochtemperaturlegierungen, Dr. N. Grov

Dr. Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der IZA

Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der IZA

Bei der Entwicklung von Autos kommen immer mehr hochfeste und höchstfeste Stähle zum Einsatz, die nur einen Millimeter dick oder sogar dünner sind. Um den Anforderungen an Formstabilität und Festigkeit gerecht zu werden, wurde 1999 das „Galvanized Autobody Partnership“-(GAP-)Programm von 15 führenden Stahlproduzenten gemeinsam mit den Mitgliedern der International Zinc Association (IZA) und den wichtigsten Zulieferern zum Know-how-Transfer und zur Entwicklung maßgeschneiderter Legierungen für die Verzinkung der neuen Stahlsorten ins Leben gerufen. Anlässlich des GAP-Treffens im Mai 2012 in Brüssel sprach Dr.-Ing. Sabina Grund von der Initiative Zink mit Dr. Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der IZA, über Ziele, Aufgaben, Entwicklungen und Ergebnisse des Programms.

Ziele von GAP sind die Erhaltung und der Ausbau der Märkte für verzinktes Stahlfeinblech in der Automobilindustrie durch technische Innovationen. Wie gestaltet sich die Umsetzung dieser Ziele in der Praxis?

Im Rahmen des GAP-Forschungsprogramms werden alle drei Jahre konkrete Forschungsinhalte und Projekte abgestimmt, die von der IZA koordiniert und an weltweit renommierte Institute vergeben werden – in Deutschland unter anderem an das Institut für Eisenhüttenkunde der RWTH Aachen. Orientierungspunkt für die Forschungsaufgaben sind dabei aktuelle Entwicklungen in der Stahlindustrie, um zu gewährleisten, dass für jede neu entwickelte Sorte Stahlfeinblech innerhalb kurzer Zeit die optimale Zinklegierung für den Korrosionsschutz zur Verfügung steht.

Was sind zurzeit Innovationsturbos im Bereich Bandverzinken?

Neben der Gewichtsreduktion am Fahrzeug durch dünnere Zinkschichten sind eine hohe Material- und Energieeffizienz sowie eine hohe Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus entscheidende Kriterien für Forschung und Entwicklung. Nehmen wir beispielsweise das Future Steel Vehicle: Bei diesem Konzept werden vor allem neue hochfeste und verzinkte Stahlsorten eingesetzt, durch die entscheidende Gewichtsreduktionen im Automobilbau erzielt werden, die wiederum eine Reduktion des Treibstoffverbrauchs bewirken.

Welche Entwicklungen aus dem Programm wurden mittlerweile in der Praxis eingeführt?

Seit der Initiierung des GAP-Programms wurden viele Produktinnovationen erfolgreich zur Marktreife gebracht. So wurden im Rahmen von GAP die mathematischen Grundlagen zur Messung der Dicke der Zinkschicht entwickelt, die heute standardmäßig in Messgeräten eingesetzt werden. Ein weiteres Beispiel sind die verbesserten Zinkbadmanagement-Techniken, durch die die Schlackebildung minimiert werden konnte. Des Weiteren wurden auf der Basis eines GAP-Projekts die Vorbehandlungsmethoden in metallurgischen Öfen im industriellen Maßstab für Dual-Phasen-Stähle und Stähle mit transformationsinduzierter Plastizität eingeführt.

Betrachtet man diese und weitere Ergebnisse können wir guten Gewissens eine positive Bilanz ziehen: Mit den GAP-Projekten haben wir entscheidend dazu beigetragen, verzinkten Stahl für den Fahrzeugbau widerstandsfähiger und korrosionsbeständiger zu machen, die Kraftstoffeffizienz durch eine Reduzierung des Gewichts zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Materialien zu erhöhen. Und das werden auch künftige Innovationen immer wieder unter Beweis stellen.

Wenn Sie an Ressourceneffizienz denken: Spielt dieser Aspekt bei aktuellen Forschungsvorhaben eine Rolle?

Jede neue Stahlsorte macht eine Optimierung des Korrosionsschutzes erforderlich, wodurch die Lebensdauer deutlich verlängert und der Stahl wesentlich effizienter genutzt wird. Darüber hinaus birgt der Korrosionsschutz selbst viel Potenzial für Innovationen: Die Zinkschichten können heute präziser und dünner aufgebracht werden – was ebenfalls die Ressourceneffizienz des Produkts „verzinkter Stahl“ erhöht. Möglich wird das durch GAP-Entwicklungen wie die Verlängerung der Lebensdauer der Walzen und Lager, die bei zu starker Abnutzung durch Vibration zu einer unregelmäßigen Schichtdicke führen können.

Auch Verzinkungslegierungen werden mit Blick auf Ressourceneffizienz entwickelt: Die neuen Legierungen bestehen aus Zink, Aluminium und Magnesium – das Recycling damit verzinkten Stahls im Elektrolichtbogenofen erfolgt analog zum Verfahren für Galvalume, das bereits seit 30 Jahren angewendet wird. Sie sehen: Ressourceneffizienz spielt selbstverständlich auch bei den GAP-Projekten eine große Rolle.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Dr. Peter Jahns, Effizienz-Agentur NRW

Was bedeutet Ressourceneffizienz für Sie?
Ressourceneffizienz bedeutet - kurz gesagt - mit weniger mehr erreichen. Vor dem Hintergrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und Energieträgern und des Klimawandels müssen die Unternehmen schonender mit Rohstoffen, also Material und Energie, umgehen und sie vor allem effizienter einsetzen. Der sparsame Umgang mit Ressourcen ist daher eine wichtige Stellschraube, um Kosten zu senken und ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Besonders produzierenden Unternehmen bietet sich einiges Potenzial, Ressourcen einzusparen. Es geht um die genaue Analyse der Fertigungsprozesse und die Suche nach Einsparpotenzialen. Ziel ist es, den Rohstoffeinsatz zu reduzieren, Ausschuss weitestgehend zu vermeiden, die Produktqualität zu steigern und Emissionen zu minimieren, um dadurch Produktionskosten zu senken und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Wo fängt für Sie Ressourceneffizienz an und woran machen Sie diese fest?
Ressourceneffizienz fängt natürlich bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe an und geht über die gesamte Wertschöpfungskette. In der Produktion aber spielt ein großer Teil der Musik. Alles, was hier eingespart werden kann, muss auch vorher nicht gewonnen und verteilt werden. Hieraus entsteht neben dem betriebswirtschaftlichen Nutzen ein Einspareffekt über die Unternehmensgrenze hinaus. Genau da ist unser Ansatz.

Was bedeutet das für Unternehmen?
Um eine ressourceneffiziente Produktion zu erreichen, bedarf es einer ausreichenden Transparenz über die Stoffströme und die technischen Prozessschritte, um die Verbesserungspotenziale zu erschließen und eine Strategie zu entwickeln, mit der die Potenziale systematisch genutzt werden können. Aber oft stellt sich gerade bei mittelständischen Unternehmen die Situation anders dar: nur teilwiese liegen ausreichende Kenntnisse über die innerbetrieblichen Stoffströme vor, eine unternehmensübergreifende Sichtweise ist nur eingeschränkt möglich, oft besteht hohe Abhängigkeit Abhängigkeit von Kundenvorgaben und knappe zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen gerade in kleineren Betrieben führen dazu, dass sich die Vorteile des ressourceneffizienten Wirtschaftens nicht ausreichend nutzen lassen. Wir gehen als "Coach" in die Unternehmen und ermitteln gemeinsam die konkreten Potenziale.

Wie gehen Sie da konkret vor?
Die Motivation der Unternehmen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, liegt vor allem in der Optimierung der Wirtschaftlichkeit. Das ist auch unser Hauptargument, und so sprechen uns die Unternehmen als unabhängigen Berater gerne an. Unsere Erfahrungen zeigen, dass konkrete und individuell zugeschnittene Unterstützungsangebote sowie die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort in den meisten Fällen zu einer Initialzündung im unternehmerischen Handeln führen. Wir helfen, Hindernisse zu überwinden und zu verdeutlichen, dass sich eine ökologische Orientierung auszahlt. Durch unsere sechs Regionalbüros stellen wir speziell bei neuen Märkten auf lokaler Ebene eine Art Gegenbewegung zur Globalisierung fest. Also das "act local" ist mitunter sehr verschieden. Durch unsere Ansprechpartner vor Ort können wir die Unternehmen unmittelbar unterstützen, aber auch über regionale Partner erreichen. Die EFA führt dazu unter anderem Veranstaltungen mit Kammern und Verbänden durch. Ein weiterer Punkt ist die enge Kooperation vor Ort mit Stadtwerken, Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder wissenschaftlichen Einrichtungen für Technologietransfer.

Welche individuell zugeschnittenen Unterstützungsangebote sind das beispielsweise für die Zinkindustrie?
Mit unserem Instrument PIUS-Check (Produktionsintegrierter Umweltschutz) zerlegen wir beispielsweise die einzelnen Produktionsschritte und optimieren Faktoren wie Standzeiten, Kreislaufführung von Hilfsstoffen, Prozessstabilität und Energieverbrauch, Stichwort Wärmebehandlung oder doppelte Umschmelzprozesse. Mit dem Check sprechen wir in erster Linie die Techniker im Unternehmen an. Die Ressourcenkostenrechnung RKR dagegen richtet sich vorwiegend an die Ökonomen im Unternehmen, denn über diesen Weg wird ein neuer Blick auf ressourcenrelevante Prozesse eröffnet.

Können Sie konkrete Projekte Ihrer Arbeit für die Zinkindustrie nennen?
Neben Projekten beispielsweise bei den Firmen Rheinzink in Datteln und Grillo in Duisburg gab und gibt es auch eine Reihe in Unternehmen der Feuerverzinkungsindustrie.

Gibt es Effizienzagenturen auch in anderen Bundesländern?
Leider nicht überall. Ähnliche Einrichtungen wie die EFA NRW gibt es in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden Württemberg. Auf Bundesebene arbeiten wir mit dem VDI Zentrum für Ressourceneffizienz zusammen, so haben wir beispielsweise gemeinsam eine Beraterqualifizierung entwickelt und bundesweit Berater geschult. Bei Interesse vermitteln wir aber gerne regionale Ansprechpartner.

Dr. Peter Jahns ist Leiter der Effizienz-Agentur NRW in Duisburg.

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Die Effizienz-Agentur NRW (EFA)

Die Effizienz-Agentur NRW (EFA) wurde 1998 auf Initiative des NRW-Umweltministeriums gegründet. Bis heute hat sie über 1.100 Projekte zur Effizienzsteigerung in und mit kleinen und mittleren Unternehmen initiiert und begleitet. Sie ist keine Behörde, sondern als Unternehmensberatung Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.

25 Mitarbeiter setzen sich in Duisburg und den sechs EFA-Regionalbüros in Aachen, Bielefeld, Münster, Siegen, Solingen und Werl gemeinsam mit Fachpartnern dafür ein, dass Unternehmen von den Vorteilen des ressourceneffizienten Wirtschaftens profitieren können.Eine wichtige Tätigkeit über die reine Analyse von Abläufen hinaus ist die Begleitung der Umsetzung von Maßnahmenvorschlägen und in dem Zusammenhang die Beratung zur Identifikation geeigneter Fördermittel.

Ergänzende Hinweise: Für die Zinkindustrie ist der PIUS-Check am relevantesten.

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Johann Wackerbauer, ifo institut

Was bedeutet Ressourceneffizienz für Sie, gibt es eine ifo-Definition?
Ressourceneffizienz bedeutet zunächst, dass ein bestimmter Output mit geringstmöglichem Ressourceneinsatz erwirtschaftet wird bzw. mit einer bestimmten Menge an Ressourcen der größtmögliche Output. Das ist volkswirtschaftliches Grundwissen. Im Zeitverlauf wird die Veränderung des Verhältnisses zwischen volkswirtschaftlichem Produktionsvolumen und Ressourceneinsatz mit der Rohstoffproduktivität gemessen. Diese drückt nach der Definition des Statistischen Bundesamtes aus, wie viel Bruttoinlandsprodukt (in Euro, preisbereinigt) je eingesetzter Tonne abiotischem Primärmaterial erwirtschaftet wird. Zum abiotischen Primärmaterial zählen die im Inland entnommenen Rohstoffe - mit Ausnahme der land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse - sowie alle importierten abiotischen Materialien (Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren).

Wo fängt für Sie Ressourceneffizienz an und woran machen Sie diese fest?
Das beginnt einzelwirtschaftlich mit der Reduzierung von Schwund sowie der Kreislaufführung von Wertstoffen im Produktionsprozess und geht gesamtwirtschaftlich mit der Erhöhung der Recyclingquoten weiter. Zwischen 1994 und 2009 konnte in Deutschland eine Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Rohstoffproduktivität um 46,8% erreicht werden. Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung strebt bis zum Jahr 2020 sogar eine Verdoppelung gegenüber dem Stand von 1994 an, was noch erhebliche Anstrengungen erforderlich macht.

Was bedeutet das aktuell bzw. zukünftig für die mittelständische Industrie?
Die Steigerung der Ressourceneffizienz ist angesichts von Verknappungen auf den Rohstoffmärkten nicht nur aus volkswirtschaftlicher, sondern auch aus unternehmerischer Sicht geboten. Nach unseren Befragungsergebnissen hat die Ressourceneffizienz in der Produktion bei knapp 70% der Umfrageteilnehmer in den vergangenen drei Jahren eine zunehmende Rolle gespielt. Was die Produktgestaltung betrifft, so war bei sie etwas mehr als der Hälfte der Umfrageteilnehmer von steigender Bedeutung. Dabei lagen die Großbetriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten um einige Prozentpunkte über den mittelgroßen Betrieben (zwischen 50 und 249 Beschäftigte). Das lässt vermuten, dass im Mittelstand noch ungenutzte Potenziale zur Ressourceneinsparung vorhanden sind, die es sich bei weiter steigenden Rohstoffpreisen zu nutzen lohnt.Wo sehen Sie für die Unternehmen a) das größte Handlungspotenzial und b) den größten Handlungszwang?Der größte Handlungszwang wird wohl von weiteren Rohstoffverknappungen und daraus resultierenden Preiserhöhungen bei Rohstoffen kommen. Handlungspotenziale eröffnen sich durch die Einführung betrieblicher Umweltmanagementsysteme.

Was bedeutet das für Sie konkret für die NE-Metallindustrie?
In der Metallerzeugung und -bearbeitung hatte die Ressourcenproduktivität in den vergangenen Jahren ohnehin eine höhere Bedeutung als im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes: Hier wurde von über 85% der Befragungsteilnehmer eine zunehmende Rolle in der Produktion und von über 60% eine zunehmende Rolle in der Produktgestaltung konstatiert. Dies lässt andererseits den Schluss zu, dass die Produktgestaltung noch ungenutzte Möglichkeiten zur Ressourceneinsparung bietet.

Johann Wackerbauer, ist stellvertretender Bereichsleiter Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen am ifo Institut, München. Er ist Autor der Studie "Energie-, Material- und Ressourceneffizienz: ZunehmendeBedeutung im verarbeitenden Gewerbe, ifo Schnelldienst 21/2011, S. 26-31 (zum Download)

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Anna Braune, PE International GmbH

Anna Braune, Senior Consultant, Teamleader Building and Construction PE INTERNATIONAL GmbH, Stuttgart

Seit wann gibt es Ökobilanzen, bzw. seit wann sind diese konkret relevant im Hinblick auf Bau- Werkstoffe wie Zink?
Die Methodik der Ökobilanzierung gibt es bereits seit den 1980er Jahren. Erste Anwendungen in Industrie- und Forschungsprojekten folgten in den 90er Jahren. Mittlerweile werden, dank existierender Softwaretools und verfügbarer Datenbanken, Ökobilanzen weitverbreitet kommerziell genutzt, um ökologische Auswirkungen von Produkten zu untersuchen. Insbesondere im Baubereich hat sich hier in den letzten Jahren viel getan: wie etwa der Aufbau von Baudatenbanken und die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPD) für Bauprodukte bzw. Bauwerkstoffe wie Zink.

Können Sie bitte kurz auf den Zusammenhang zwischen Ökobilanz, Umweltproduktdeklaration (EPD) und Nachhaltigem Bauen eingehen?

Die Ökobilanz ist ein wichtiger Bestandteil der Umweltproduktdeklaration. Die EPD eines Bauproduktes liefert aber über die Ökobilanz-Ergebnisse, wie zum Beispiel Treibhauspotenzial, hinaus noch weitere Informationen, etwa über Inhaltsstoffe, Recycelbarkeit oder technischen Werten. Bewertet nun ein Auditor die Nachhaltigkeit eines ganzen Gebäudes, greift er auf diese Informationen, die ihm die EPD liefert, zurück. Eine Gebäude-Zertifizierung nach DGNB erfordert zum Beispiel eine Ökobilanz und weitere spezifische Umweltdaten.

Wie wichtig ist es heutzutage für die Auswahl von Werkstoffen, das diese eine gute Ökobilanz/eine EPD haben?

Mit einer Umweltproduktdeklaration demonstriert der Hersteller eines Produktes zunächst einmal Transparenz und zeigt besondere Produktverantwortung. Die Ergebnisse einer Ökobilanz sind dann entscheidend und können wichtige Informationen liefern, wenn sie frühzeitig im Planungsprozess auch berücksichtigt werden – beispielsweise bei der Wahl des Dämmmaterials. Für Gebäude-Zertifizierungen sind EPDs freilich besonders gefragt aber eben auch generell, wenn es darum geht, das geeignete Bauprodukt zu wählen.


Gibt es bei Anwendern ein "Umdenken" in Form veränderter Kaufentscheidungen, seit es Ökobilanzen/EPDs gibt, oder hat das "nur" einen Image bildenden Effekt? 

Veränderte Kaufentscheidungen bei Anwendern sind derzeit sicherlich noch die Ausnahme. Aber das Thema Lebenszyklusdenken und Ökobilanz ist durch Zertifizierungen mittlerweile bei den Architekten angekommen, so dass EPD durchaus die Kaufentscheidung beeinflussen können. Es geht in erster Linie nicht um einen bloßen Imagegewinn sondern vielmehr um mehr Transparenz und Produktinformation. Diese Informationen liefern freilich das nötige Wissen für Verhaltensänderungen. Das ist aber erst der zweite Schritt.


Zink ist ja ein natürliches Material. Was wird bei einer Ökobilanz/einer EPD z.B. für Zink untersucht bzw. bewertet?

Für alle Bauprodukte hat man sich europaweit auf fünf LCA-Indikatoren geeinigt (Treibhaus-, Versauerungs-, Eutrophierungs-, Ozonabbau- und Sommersmogpotenzial). Hinzu kommen bei Zink der Primärenergiebedarf, der Wasserverbrauch und das Abfallaufkommen. Die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit müssen zudem über den ganzen Lebenszyklus beschrieben werden. Ferner sind Einwirkungen durch Brand und Wasser und seine Folgen darzustellen sowie die Abschwemmraten von Zink.


Können Sie das nach einer ganzheitlichen Bilanzierung, die wirtschaftliche, technische und soziale Aspekte mit einbezieht noch differenzieren?

Wirtschaftliche und technische Aspekte standen bei der Produktentscheidung schon jeher im Focus und über verbindliche Vorgaben zum Gesundheitsschutz und zur Arbeitssicherheit wird sozialen Aspekten Rechnung getragen. Die Ökobilanz mit der Berücksichtigung der ökologischen Auswirkungen ist gewissermaßen die dritte Säule, die eine ganzheitliche Betrachtung erst vervollständigt.


Was sind die künftigen Entwicklungen bei Ökobilanzen bzw. im Zusammenhang mit nachhaltigem Bauen?

Gebäude-Ökobilanzen werden von Architekten und Planern zunehmend eingesetzt und können sich mittelfristig zum Standard für die Projektierung von Gebäuden entwickeln. Auf Produktebene haben Hersteller erkannt, dass nicht nur für eine Nachhaltige Bauweise Ökobilanzdaten erforderlich und sinnvoll sind. Vielmehr können Ökobilanzen bereits in der Produktentwicklung wichtige Entscheidungshilfen und belastbare Ergebnisse zur öffentlichen Kommunikation liefern. Der Einsatz von Ökobilanzen als Entscheidungshilfe wird im Baubereich ohne Frage zunehmen.


Wo sehen Sie die größten Anforderungen /Herausforderungen vor diesem Hintergrund in der Zukunft?

Die bislang größte Herausforderung - eine Harmonisierung der ökologischen Bewertung von Bauprodukten und Gebäuden auf europäischer Ebene ist jetzt gelungen. 2011 treten die entsprechenden europäischen Normen (EN 15978 für Gebäude und EN 15804 für Bauprodukte) in Kraft.
Viele Hersteller haben den Nutzen von Ökobilanzen erkannt und sind Vorbild für andere, die mit der Zeit unweigerlich nachziehen. Umso mehr wenn kommende Anforderungen für den Handel von Produkten in der EU Umweltinformationen miteinschließen. Solche gesetzliche Regelungen, die dann Grundlage für das CE-Kennzeichen sind, sind in der Planung, allerdings existiert noch kein konkretes Datum.

Anna Braune ist Senior Consultant, Teamleader Building and Construction bei
PE INTERNATIONAL GmbH, Stuttgart

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Hans R. Peters, Institut Bauen und Umwelt e.V.

Hans Peters, Geschäftsführer Institut Bauen und Umwelt e.V.

„Was ist eine Umweltproduktdeklaration?“

Eine Umweltproduktdeklaration (engl. Environmental Product Declaration, kurz EPD) ist eine nach internationalen Normen standardisierte Umweltinformation („Öko-Label Typ III“) über ein Produkt. Kern einer EPD ist eine Ökobilanz nach ISO 14040/44 mit Angaben zu den Stoff- und Energieströmen im Herstellprozess sowie den wesentlichen Umweltwirkungen, wie z.B. dem Beitrag eines Produktes zum Treibhauseffekt oder zum Abbau der Ozonschicht. Darüber hinaus macht eine EPD aber auch Aussagen zu gesundheitsrelevanten Sachverhalten, wie z.B. VOC-Emissionen in die Innenraumluft, und enthält Angaben zur technischen Leistungsfähigkeit eines Produktes. Da die bereitgestellten Informationen auf Herstellerangaben beruhen, setzt die internationale Normung einen unabhängigen Verifizierungsprozess voraus. Dieser wird in Deutschland vom Institut Bauen und Umwelt e.V. organisiert. In seiner Funktion als Programmbetreiber sorgt es dafür, dass die Bilanzierung der Umweltwirkungen bei allen Herstellern unter gleichen Rand- und Rahmenbedingungen erfolgt und überprüft die Rechenergebnisse auf Plausibilität und Konsistenz.  Nur so kann eine Vergleichbarkeit der Produktangaben sichergestellt werden.

„Welche Bedeutung haben Umweltproduktdeklarationen speziell im Baubereich heute und wie wird sich diese Bedeutung in den kommenden Jahren entwickeln?“
Mit der Umsetzung von Prinzipien der Nachhaltigkeit im Bauwesen ist die Nachfrage nach transparenten und von unabhängiger Seite überprüften Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit von Bauprodukten in den letzten Jahren stark gestiegen. Architekten und Planer, das bauausführende Gewerbe, Bauherren , Investoren und die Bauverwaltungen: Sie alle benötigen technische und nichttechnische Informationen, um ihren Beitrag zu einem umweltverträglichen und gesunden Bauvorhaben leisten zu können – sei es durch die Auswahl, den Kauf und die Kombination geeigneter Materialien und Produkte oder durch deren sachgerechten Einbau, durch eine ressourcenschonende Nutzung und letztendlich deren Verwertung. Hinzu kommt: Da Bauprodukte nur selten Endprodukte sind, kommt ihre Wirkung in der Regel erst bei ihrer Verwendung in Bauteilen und den baulichen Anlagen zum Tragen. Dies unterscheidet Bauprodukte grundlegend von anderen Produkten. Eine sachgerechte Bewertung kann daher nur im Kontext der baulichen Anlage – vor dem Hintergrund der konkreten Nutzung und Einbausituation – erfolgen.  In diesem Sinne legen sowohl das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) als auch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ihren Fokus bei der Gebäudebewertung auf die Gesamtleistung eines Bauwerks. Eine Vorauswahl zugunsten eines speziellen Produktes wäre nicht sachgerecht und findet  daher nicht statt. Die Optimierung des ökologischen Verhaltens erfolgt stattdessen mit Hilfe einer Gebäudebilanz, für die die EPDs der Baustoffe die zentrale Datengrundlage bilden. Teilweise werden EPDs deshalb auch schon heute in Ausschreibungs- und Vergabeprozessen verlangt. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die künftigen normativen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa. Die Europäischen Institutionen (Kommission, Rat und Europäisches Parlament) sehen in Umwelt-Produktdeklarationen das geeignete Mittel, um die Umweltleistung von Bauprodukten zu kommunizieren. Mit dem Mandat M350 hat die Kommission CEN beauftragt, einheitliche Anforderungen für EPDs in Europa zu erarbeiten (CEN/TC 350). Voraussichtlich ab 2011 werden EPDs Bestandteil der europäischen Bauprodukten-Verordnung sein, die die Bauprodukten-Richtlinie ablösen wird. Erstmals wird darin auch die Anforderung der Nachhaltigkeit von Bauwerken als eine von nunmehr 7 Basisanforderungen an bauliche Anlagen aufgenommen. Im Gegensatz zur europäischen Richtlinie werden die neuen Regelungen in den Mitgliedsstaaten unmittelbar rechtsverbindlich sein. Die Verordnung wird voraussichtlich im Jahre 2013 in Kraft treten.

„Wie sieht die Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit in der kommenden Bauprodukten-Verordnung konkret aus? “ Nach dem derzeitigen Stand des Gesetzgebungsverfahrens sieht es so aus, dass für die Vermarktung von Bauprodukten in Europa auch die neue Basisanforderung Nr. 7 an Bauwerke berücksichtigt werden muss. Damit soll ein Mindestschutzniveau für Gebäudenutzer und Umwelt sichergestellt werden. Hinter der neuen Basisanforderung Nr. 7 „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ verbergen sich Kriterien wie die Recyclebarkeit des Bauwerks und seiner Baustoffe, die Dauerhaftigkeit des Bauwerks und der ressourcenschonende Einsatz von Rohstoffen und Sekundärbaustoffen. In diesem Kontext kommt der Ökobilanzierung von Baustoffen eine fundamentale Bedeutung zu. Gleiches gilt für die bereits bestehende Basisanforderung Nr. 3 in Bezug auf „Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz“. In den Erwägungsgründen zum Verordnungsentwurf  wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Bewertung der nachhaltigen Nutzung der Ressourcen sowie für die Beurteilung der Umweltauswirkungen von Bauwerken auf EPDs zurückgegriffen werden soll. Hersteller von Bauprodukten, die bereits über eine Umwelt-Produktdeklaration verfügen, brauchen sich also über die aus der künftigen Bauprodukten-Verordnung resultierenden Anforderungen in Bezug auf Umwelt, Gesundheit und Nachhaltigkeit keine Sorgen zu machen.

„Gibt es bereits  Umwelt-Produktdeklarationen zu Zinkprodukten?“
Ja! Umwelt-Produktdeklarationen gibt es beim IBU mittlerweile für nahezu alle Werkstoffbereiche. Die Metall verarbeitende Industrie gehört dabei zu den Vorreitern. Zwei führende Hersteller von Zinkerzeugnissen haben Umwelt-Produktdeklaration für ihre Titanzinkprodukte erstellt, die für zahlreiche Bauanwendungen, wie z.B. Bedachung, Fassadenbekleidung oder Dachentwässerung, zum Einsatz kommen. Der Werkstoff Zink zeichnet sich durch seine Langlebigkeit, Nutzungsbeständigkeit und hohe Recyclingfähigkeit  aus – Eigenschaften, die für das nachhaltige Bauen essenziell sind.

„Was sollten Unternehmen berücksichtigen, die sich für eine Umwelt-Produktdeklaration interessieren?“
Die Bereitstellung der Daten, insbesondere die für die Berechnung der Ökobilanz notwendigen Angaben zu den während der Produktion anfallenden Stoff- und Energieströmen, ist sicherlich mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden. Bis die EPD veröffentlicht werden kann, vergeht oft ein halbes Jahr. Der Aufwand lohnt sich aber: Denn gerade die Datensammlung bildet den Ausgangspunkt, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Es kommt nicht selten vor, dass uns Firmen berichten, erst in Zusammenhang mit der EPD-Erstellung auf Prozesse aufmerksam geworden zu sein, bei denen Energie verschwendet worden ist. Die Hinterfragung und Optimierung der eigenen Prozesse wirkt sich somit nicht nur langfristig positiv auf die Umwelt, sondern auch auf die Kostensituation des Unternehmens aus.    

Hans R. Peters, Geschäftsführer Institut Bauen und Umwelt e.V. Diplom-Ingenieur; Jahrgang 1953; Studium Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal. Dort bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Baukonstruktion und Bauphysik. Bis 1994 beim Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie; bis 2006 Geschäftsführer der Deutschen POROTON GmbH. Heute u.a. Geschäftsführer des  IBU – Institut Bauen und Umwelt e.V. und Lehrbeauftragter für Mauerwerksbau an der Hochschule Biberach.    

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Stephen Wilkinson zur Zusammenarbeit von IZA und UNICEF

Stephen Wilkinson, Executive Director IZA, Brüssel

Die International Zinc Association (IZA) ist eine gemeinnützige Organisation, die die weltweite Zinkindustrie vertritt. Die IZA konzentriert sich auf die Notwendigkeit von Zink bei der Nährstoffversorgung und Gesundheit des Menschen, vorhandenen und potenziellen Produktanwendungen und hebt den Beitrag von Zink zu einer nachhaltigen Entwicklung hervor. Die IZA führt Programme im Bereich Technologie & Marktentwicklung, Umwelt & nachhaltige Entwicklung und Kommunikation durch und setzt sich für Zink in der Ernährung durch die Unterstützung von wissenschaftlicher Forschung, die Veröffentlichung von Informationsmaterialien und die Organisation von Konferenzen ein. Desweiteren unterstützt die IZA auch die International Zinc Nutrition  Consultative Group.

Am 27. Januar 2010 gaben UNICEF und die International Zinc Association in Davos (Schweiz) die Gründung der "Zinc Saves Kids"-Kampagne bekannt, die mithilfe von Spendengeldern das UNICEF-Programm zur Versorgung der Kinder mit Zink in Entwicklungsländern unterstützt.

Hierzu ein Audiobeitrag von Stephen Wilkinson, Executive Director der IZA zum gemeinsamen Projekt mit Unicef.

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IZA-Forschungschef Goodwin über das Galvanized Autobody Partnership-Programm

Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der IZA

"New steels with a thickness less than 1 mm and in many cases less than 0,7 mm which is much thinner than before are used for those structures and body applications that are needed to absorb energy and also to keep the shape of the car during a collision.  The safety standards are getting more and more difficult each year and also the requirements for emissions and economy of a car are also becoming stricter and this can only be met altogether at a reasonable cost with galvanized steel used in these body and structure applications in the car."

Frank Goodwin, Director Technology & Market Development der International Zinc Association (IZA), über das "galvanized autobody partnership"-Programm zur zukünftigen Entwicklung und Optimierung von verzinkten Stählen im Automobilbau.

Fünfzehn führende Stahlproduzenten und die Mitglieder der IZA (International Zinc Association) sowie die wichtigsten Zulieferer dieser Unternehmen haben die wesentlichen Anforderungen zur Weiterentwicklung verzinkter Stähle in drei Punkten zusammengefasst.

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In Zukunft wohnen wir ganz anders - Prof. Rogall über Werkstoffkombinationen mit Zink

Prof. Dipl.-Ing. Arch. Armin Rogall, FH Dortmund

Prof. Armin Rogall lehrt Baustofftechnologie und Baukonstruktion an der FH Dortmund. Besonderen Wert legt er dabei auf die Vermittlung des ressourcenschonenden Einsatzes von nachhaltigen und recyclingfähigen Baustoffen.

Zusätzlicher Schwerpunkt seiner Arbeiten ist das Thema „Energieeffizienz von Gebäuden“. Rogall ist der Meinung, dass wir in Zukunft anders wohnen werden und müssen. Um Ressourcen zu schonen und da wir in Zukunft intelligente Wohnsysteme brauchen. Hierzu einige Statements von ihm.

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Dirk Böttcher, Sprecher der Initiative Zink

Dirk Böttcher, Sprecher der Initiative Zink

„Zink hat auch langfristig eine positive Zukunft. Derzeit beschäftigen sich Materialwissenschaftler, Verfahrenstechniker, Umweltökonomen und sogar Biologen und Soziologen damit, die besonderen Eigenschaften von Zink in verbesserter Form und in neuen Bereichen zu erforschen und in die Praxis umzusetzen." Der neue Sprecher der Initiative Zink, Dirk Böttcher im Interview.

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Ergänzend dazu das Interview mit Hern Böttcher als Text:

Was reizt Sie an der Aufgabe als Sprecher der Initiative Zink? Was wird der Schwerpunkt Ihrer Arbeit sein? Welche neuen Ideen wird es geben?

Mit der Initiative Zink wurde eine beispielhafte Unternehmensallianz gegründet, die die Akzeptanz und den Bekanntheitsgrad des Werkstoffs Zink spürbar erhöht hat. Um weiterhin erfolgreich zu sein, ist es für mich wichtig, dass sich die Mitgliedsunternehmen gut durch uns vertreten fühlen und wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Entscheidend sind dabei Kriterien wie Transparenz unserer Arbeit nach außen und innen, Kontinuität bei Bewährtem und das Erkennen von Potenzialen. Generell wird es immer wieder neue Aspekte geben, auf die wir reagieren müssen, und besonders zukünftige Einsatzgebiete und Anwendungsbereiche von Zink werden dabei eine große Rolle spielen.

Aktuell beschäftigt uns der Ausbau unseres Informationsangebots im Internet, z.B. auf zink.de, wo wir jetzt u.a. Informationen über Zink in Filmformaten bereitstellen. Während des Messeauftritts der Initiative Zink auf der Bildungsmesse didacta im vergangenen März konnten wir feststellen, dass diese von Lehrern gerne im Fachunterricht genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Zukunft von Zink ein?

Zink hat auch langfristig eine positive Zukunft. Bei der Lösung vieler aktueller Fragen und Probleme bieten die Eigenschaften von Zink Antworten, um Verbesserungen zu erreichen und Neues zu entwickeln. Dies wird auch dadurch verdeutlicht, dass in vielen Wirtschaftszweigen derzeit Materialwissenschaftler, Verfahrenstechniker, Umweltökonomen und sogar Biologen und Soziologen damit beschäftigt sind, die besonderen Eigenschaften von Zink in verbesserter Form und in neuen Bereichen zu erforschen, zu testen und das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen. Für kaum ein anderes Material gibt es aktuell so viele neue Anwendungsgebiete – bei gleichzeitig so guten Ökobilanzen.

Wo sehen Sie besondere Innovationen und Zukunftschancen?

Zink ist ein innovativer Werkstoff. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften bieten sich in vielen Bereichen Zukunftschancen. Ich kann hier nur einige Beispiele ansprechen:
So liegen besondere Zukunftschancen im Bereich der Gewinnung erneuerbarer Energie: Die hierzu eingesetzten Verfahren sind nur dann nachhaltig, wenn sie auch unter extremsten Witterungsbedingungen lange halten. Stahlbauteile an Windrädern insbesondere im Offshore-Bereich und an Solaranlagen müssen daher durch Zink vor Korrosion geschützt werden.
Daneben ist Zinkoxid als Halbleiter für die Gewinnung von Solarenergie geeignet und wird derzeit erforscht.
Im Bereich der Energiespeichersysteme wird an der Entwicklung verbesserter und neuer Einsatzgebiete gearbeitet. Dies betrifft Zink-Pulver in der alkalinen Batterie, aber auch den effizienten Einsatz der Zink-Luft-Batterie für Elektro-Fahrzeuge.
Auch bei den Bemühungen zur Gewichtseinsparung von Automobilen bietet Zink Zukunftspotential, beispielsweise durch den Einsatz von Zinkschäumen oder von Dünnwand-Zinkdruckgussteilen aus speziell entwickelten Legierungen.
Sogar im Bereich Gesundheit wird an vielen neuen Anwendungen geforscht, Beispiele hierfür sind die Anreicherung von Pflanzen mit Zink zum Schutz vor Zinkmangelerkrankungen oder der Einsatz von Zink-Verbindungen zur Gentherapie oder zur Tumor-Behandlung.
Die Liste könnte noch beliebig erweitert werden. Ich glaube es wird aber schon deutlich, dass Zink auch in Zukunft viele Potentiale beinhaltet und einen Beitrag zur Lösung vieler Probleme bietet.

Hat die Zinkbranche eine Zukunft in Deutschland?

Gibt es Wünsche oder Forderungen an die Politik? Die Zinkindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Standort Deutschland und sichert bzw. schafft Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist sie Vorraussetzung für den Erhalt ganzer Wertschöpfungsketten und für Innovationen und Zukunftstechnologien. Daher sichert die Zinkindustrie auch in Zukunft in vielen Bereichen die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung und für die Entstehung zukunftsfähiger Arbeitsplätze am Industriestandort Deutschland.

Rohstoffe

Der freie Handel auf den internationalen Rohstoffmärkten wird durch eine Fülle von Handels- und Wettbewerbsverzerrungen beeinträchtigt. Grundsätzlich ist und bleibt die Rohstoffversorgung eine unternehmerische Aufgabe. Für alle Akteure auf den Rohstoffmärkten müssen aber zumindest annähernd die gleichen Spielregeln gelten. Nur auf einem funktionierenden Markt mit grundsätzlich fairen Handelspraktiken ist eine optimale Allokation der Ressourcen zu wettbewerbsfähigen Preisen möglich. Die internationalen Rohstoffmärkte sind in der Realität heute jedoch vielfach durch Handels- und Wettbewerbshindernisse verzerrt, die zudem häufig staatlicherseits verursacht und gesteuert sind. Staatlich geförderte Unternehmenskonzentrationen sowie protektionistische Maßnahmen führen zu einem strategischen Ungleichgewicht zu Lasten des Marktes und seiner Akteure – und damit zur Notwendigkeit staatlichen Handelns, denn politisch ver­ursachte Probleme können nicht durch die Unternehmen, sondern nur durch die Politik gelöst werden. Wir brauchen daher eine ganzheitliche Rohstoffstrategie für Deutschland und Europa. Ohne eine gesicherte Versorgung mit Rohstoffen ist das Industrieland Deutschland und damit seine Fähigkeit zur Lösung der globalen Herausforderungen nicht wettbewerbsfähig.

Energie

Wettbewerbsfähige Industriestrompreise und der Ausgleich emissionshandels­bedingter Kosten sind zentrale Bausteine für die Zukunft der Zinkindustrie in Deutschland.
Um oben mitspielen und in Deutschland investieren zu können, benötigt die Zinkindustrie wettbewerbsfähige Energiepreise durch die Befrei ung staatlicher Lasten und Umlagen, die Fortsetzung des Spitzenausgleichs bei der Energie- und Stromsteuer über 2012 hinaus und den Verzicht auf eine CO2-Steuer. Außerdem muss die vereinbarte Prüfung der Wettbewerbssitua tion der energieintensiven Industrien und der energiepolitischen Instrumente kommen.
Wichtigste Aufgabe ist die volle Kompensation der CO2-Kosten im Strompreis. Dazu gehören eine nationale Brückenlösung bis 2013 und eine verlässliche Perspektive für die Kompensation der indirekten CO2-Kosten von 2013 bis 2020. Innerhalb des Emissionshandelssystems benötigen vor allem die Recyclingbetriebe eine kostenlose Zuteilung nach fairen Benchmarks.

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Ich wünsche mir Hochtemperaturlegierungen, Dr. N. Grov

Dr. Norbert Grov

Dr.-Ing. Norbert Grov ist bei der TAKATA-PETRI AG in Aschaffenburg Manager Die Casting & Metal Technology im Bereich Production Planning Steering Wheels. Außerdem ist er Leiter vom Fachausschuss Druckguss des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen / Potenziale für Zink im Automobilbau?

Ich sehe die größten Potentiale für Zink in der Umsetzung der neuen Entwicklungen, wie Dünnwandgießen und Giessen von Schäumen oder Hohlgeblasene Druckgussbauteile.

In wieweit kommen Neuentwicklungen wie Dünnwandgießen, Zinkschäume (als geschäumtes Bauteil oder z.B. mit Zink ausgeschäumte Aluminiumprofile) heute in der Serienfertigung zum Einsatz?

Die Umsetzung dieser Entwicklung hat begonnen. Ich sehe hier ein großes Potential zum weiteren Einsatz dieser Technologien. Wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung von Neuentwicklung ist die Akzeptanz dieser neuen Technologie.

Welche Trends gibt es bei der Werkstoffauswahl?

Es gibt für mich nicht "den" Werkstoff. Wesentlich ist die Funktionserfüllung zu geringst möglichen Kosten. Insofern müssen für jedes Produkt die funktionsrelevanten Anforderungen bei der Werkstoffauswahl herangezogen werden. Die verschiedenen Anforderungen an die Produkte und die Eigenschaften der unterschiedlichen Werkstoffe sind hierbei gegeneinander abzuwägen. Zink ist für viele Bauteile durch seine guten Gießeigenschaften und die hohe Oberflächengüte der gegossen Bauteile eine gute Werkstoffwahl. Außerdem kann mit Zinkdruckguss eine hohe Produktivität erzielt werden, was zu niedrigen Kosten im Vergleich mit anderen Verfahren und Werkstoffen führt.

Ist das Thema EMV (elektromagnetisch Abschirmung) durch Zinkdruckgussgehäuse / -bauteile ein Thema?

Bei vielen elektronischen Gehäusen sicherlich.

Warum wird bei den Sicherheitskomponenten im Automobilbau Zink verwendet?
Zink lässt sich hervorragend Druckgießen. Zink hat zwar im Vergleich zu Aluminium und Magnesium eine höhere Dichte - jedoch weist es für Gusswerkstoffe hervorragende mechanisch technologische Kennwerte auf.

Wo sehen Sie zusätzliche Einsatzgebiete für Zink in den nächsten 10 - 15 Jahren?

Zusätzliche Einsatzgebiete ergeben sich u.a. aus der Umsetzung von neu entwickelten Prozessen wie Dünnwandgießen oder die Weiterentwicklung von Zinkschäumen, aber auch bei dem Einsatz von Hochtemperaturlegierungen.

Welchen Stellenwert hat Zink für Sie in Sachen Design im und am Auto?

Aus Zink können hervorragende Designteile mit einer metallischen Haptik gegossen werden. Durch die Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung können optisch sehr ansprechende Bauteile produziert werden.

Welche Innovationen oder Neuerungen wünschen Sie sich in den nächsten Jahren von den Zink-Druckguss-Unternehmen?

Neben Hochtemperaturlegierungen wünsche ich mir eine Weiterentwicklung der Fertigungsprozesse. Das Hohlblasen von Gussteilen, wie es derzeit von der Hochschule Aalen untersucht wird, ist eine solche innovative Weiterentwicklung der Prozesstechnik.

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