Wie das Land, so die Häuser – und auch die Dachrinnen

Die kulturelle Vielfalt Europas hat eine Vielzahl unterschiedlicher Dachrinnenformen hervorgebracht, die als typische Stilelemente seit Jahrhunderten Gebäuden ein unverwechselbares Gesicht geben. Und das nicht nur in den historischen Ortskernen, sondern auch in den Neubaugebieten, denn der regionale Charakter kommt beim Bauen offenbar nie aus der Mode. Dachrinnen lassen sich nach mehreren Kriterien unterscheiden – wie danach, wo die Dachrinne eingebaut ist: Es gibt Hängerinnen, die vor die Traufe montiert werden, aufliegende Rinnen, in der Dachfläche liegende Rinnen sowie Ortgangrinnen, die am Dachrand liegen. Das zweite Kriterium ist die Form. Dachrinnen können halbrund, kastenförmig oder keilförmig sein. Und letztlich stehen auch verschiedene Materialien zur Auswahl: Kunststoff, Aluminium- oder Kupferblech, feuerverzinktes Stahlblech – oder: Zink.

Regionaltypisches Bauen kommt nicht von ungefähr. Dahinter steht eine enge Verbundenheit mit der Geschichte, die den Lebensstil der Menschen beeinflusst. Ein Beispiel: "Die sogenannte Münchener Rinne hat an der Außenseite eine Wulst, durch die eine Eisenstange geschoben ist. Man könnte nun vermuten, dass dadurch für mehr Stabilität gesorgt sein soll - vor allem im Winter. Dem ist aber nicht so: Diese Ausprägung hat keinen funktionalen Nutzen, sondern beruht ausschließlich auf der Tradition", erzählt Holger Arlt, Abteilungsleiter Internationales Produktmanagement bei der Rheinzink GmbH & Co. KG.

3D Zeichnung (Bildquelle Rheinzink)

Englische Rinne als ästhetische Lösung für Paris

Oder Frankreich: Auch hier sind Einsatz und Art der verwendeten Dachrinnen sehr von der Region, den Dachformen und der Tradition des Dachdeckerhandwerks abhängig. Kennzeichnende Formen sind die Lyoner Rinne und die Rinne aus Nantes, die den regionalen Bauweisen Rechnung tragen. Die sogenannte englische Rinne - sie wurde in England in einer Bleiausführung entwickelt - findet in Paris Verwendung. Geschichtlicher Hintergrund ist die Umgestaltung der Stadt zu Zeiten von Napoleon III. durch den Präfekten von Paris, Baron Georges-Eugène Haussmann: Zwischen 1853 und 1870 entstand das noch heute typische klassizistische Stadtbild, das unter anderem von Mansardendächern und verzierten Dachsimsen geprägt ist. Die englische Rinne bot sich als ideale und ästhetische Lösung für den Baustil è  la Haussmann an, denn die Nenngröße bis zu 80 Zentimetern ermöglicht, dass eine große Wassermenge aufgefangen und so die Anzahl der Regenfallrohre an den reich verzierten Pariser Kalksteinfassaden reduziert werden kann. "Selbst in einem eher kleineren Land wie Belgien weisen Dachrinnen unterschiedliche Formen auf: Das Spektrum der typischen Hängedachrinnen reicht von halbrund - ähnlich der deutschen Variante - über verschiedene Kastenformen bis zu gesimsartigen Konturierungen", erklärt Klaus Sturm, NedZink GmbH.
 

(Bildquelle Rheinzink)

Aufdachrinne
Kastenrinne

Rinne halbrund - Dachrinnen lassen sich nach mehreren Kriterien unterscheiden: Es gibt Hängerinnen, die vor die Traufe montiert werden, aufliegende Rinnen, in der Dachfläche liegende Rinnen sowie Ortgangrinnen, die am Dachrand liegen. Das zweite Kriterium ist die Form. Dachrinnen können halbrund, kastenförmig oder keilförmig sein. Und letztlich stehen auch verschiedene Materialien zur Auswahl: Kunststoff, Aluminium- oder Kupferblech, feuerverzinktes Stahlblech – oder: Zink.

Verzicht auf normierte europäische Einheitsrinne

"Dachrinnenformen beziehungsweise -proportionen spiegeln den nationalen Geschmack wider. Die Akzeptanz dieser Tatsache hat dazu geführt, dass die Dachrinnen auch von der europäischen Norm EN 612 weitgehend unberührt geblieben sind: Dort werden nicht mehr genaue Maßbezüge festgelegt, sondern Mindestwerte, die eingehalten werden müssen. Lediglich die Metalldicken sind in der EN 612 einheitlich geregelt. So sind beispielsweise Nenngrößen ≥ 400 Millimeter in einer Metalldicke von 0,8 Millimetern auszuführen. Daher werden die bisherigen nationalen Dachrinnennormen auch auf längere Sicht eine praktische Bedeutung behalten - auch wenn sie nicht mehr unbedingt Rechtsgrundlage sind", gibt Holger Arlt einen Ausblick in die Zukunft regionaltypischer Dachrinnen. 

Zink für Qualität und Ästhetik bei Dachentwässerung

Doch egal, ob dreieckig, halbrund oder kastenförmig, ob englische, Lyoner, Berliner oder Münchener Rinne - der Werkstoff Zink bietet in der Dachentwässerung aufgrund seiner besonderen Verarbeitungseigenschaften vielfältige Möglichkeiten. Generell spielt Zink im Baubereich eine wichtige Rolle: Von Dachaccessoires wie Gauben über architektonische Finessen bis hin zur schlichten Eleganz moderner Dachgestaltung setzt Zink optische Akzente. Auf der walzblanken Oberfläche von Bauzink bildet sich eine fest haftende Schutzschicht aus Zinkoxid und basischem Zinkkarbonat. Durch die Schutzschichtbildung ändert sich das zunächst silbrig-blanke Äußere des Titanzinks in eine matt-graue Patina, die schrittweise zu einer homogenen Oberfläche zusammenwächst. Diese sehr dichte und bei Verletzung selbstheilende Schicht ergibt einen Langzeitschutz gegen Witterungseinflüsse: Dachrinnen aus Zink haben deshalb eine Lebensdauer von etwa 30 bis 40 Jahren und halten sowohl großer Hitze als auch extremer Kälte stand.


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