Anna Braune, PE International GmbH

Anna Braune

 

Seit wann gibt es Ökobilanzen, bzw. seit wann sind diese konkret relevant im Hinblick auf Bau- Werkstoffe wie Zink?

Die Methodik der Ökobilanzierung gibt es bereits seit den 1980er Jahren. Erste Anwendungen in Industrie- und Forschungsprojekten folgten in den 90er Jahren. Mittlerweile werden, dank existierender Softwaretools und verfügbarer Datenbanken, Ökobilanzen weitverbreitet kommerziell genutzt, um ökologische Auswirkungen von Produkten zu untersuchen. Insbesondere im Baubereich hat sich hier in den letzten Jahren viel getan: wie etwa der Aufbau von Baudatenbanken und die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPD) für Bauprodukte bzw. Bauwerkstoffe wie Zink.

Können Sie bitte kurz auf den Zusammenhang zwischen Ökobilanz, Umweltproduktdeklaration (EPD) und Nachhaltigem Bauen eingehen?

Die Ökobilanz ist ein wichtiger Bestandteil der Umweltproduktdeklaration. Die EPD eines Bauproduktes liefert aber über die Ökobilanz-Ergebnisse, wie zum Beispiel Treibhauspotenzial, hinaus noch weitere Informationen, etwa über Inhaltsstoffe, Recycelbarkeit oder technischen Werten. Bewertet nun ein Auditor die Nachhaltigkeit eines ganzen Gebäudes, greift er auf diese Informationen, die ihm die EPD liefert, zurück. Eine Gebäude-Zertifizierung nach DGNB erfordert zum Beispiel eine Ökobilanz und weitere spezifische Umweltdaten.

Wie wichtig ist es heutzutage für die Auswahl von Werkstoffen, das diese eine gute Ökobilanz/eine EPD haben?


Mit einer Umweltproduktdeklaration demonstriert der Hersteller eines Produktes zunächst einmal Transparenz und zeigt besondere Produktverantwortung. Die Ergebnisse einer Ökobilanz sind dann entscheidend und können wichtige Informationen liefern, wenn sie frühzeitig im Planungsprozess auch berücksichtigt werden – beispielsweise bei der Wahl des Dämmmaterials. Für Gebäude-Zertifizierungen sind EPDs freilich besonders gefragt aber eben auch generell, wenn es darum geht, das geeignete Bauprodukt zu wählen.


Gibt es bei Anwendern ein "Umdenken" in Form veränderter Kaufentscheidungen, seit es Ökobilanzen/EPDs gibt, oder hat das "nur" einen Image bildenden Effekt? 


Veränderte Kaufentscheidungen bei Anwendern sind derzeit sicherlich noch die Ausnahme. Aber das Thema Lebenszyklusdenken und Ökobilanz ist durch Zertifizierungen mittlerweile bei den Architekten angekommen, so dass EPD durchaus die Kaufentscheidung beeinflussen können. Es geht in erster Linie nicht um einen bloßen Imagegewinn sondern vielmehr um mehr Transparenz und Produktinformation. Diese Informationen liefern freilich das nötige Wissen für Verhaltensänderungen. Das ist aber erst der zweite Schritt.
Zink ist ja ein natürliches Material.

Was wird bei einer Ökobilanz/einer EPD z.B. für Zink untersucht bzw. bewertet?


Für alle Bauprodukte hat man sich europaweit auf fünf LCA-Indikatoren geeinigt (Treibhaus-, Versauerungs-, Eutrophierungs-, Ozonabbau- und Sommersmogpotenzial). Hinzu kommen bei Zink der Primärenergiebedarf, der Wasserverbrauch und das Abfallaufkommen. Die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit müssen zudem über den ganzen Lebenszyklus beschrieben werden. Ferner sind Einwirkungen durch Brand und Wasser und seine Folgen darzustellen sowie die Abschwemmraten von Zink.


Können Sie das nach einer ganzheitlichen Bilanzierung, die wirtschaftliche, technische und soziale Aspekte mit einbezieht noch differenzieren?


Wirtschaftliche und technische Aspekte standen bei der Produktentscheidung schon jeher im Focus und über verbindliche Vorgaben zum Gesundheitsschutz und zur Arbeitssicherheit wird sozialen Aspekten Rechnung getragen. Die Ökobilanz mit der Berücksichtigung der ökologischen Auswirkungen ist gewissermaßen die dritte Säule, die eine ganzheitliche Betrachtung erst vervollständigt.


Was sind die künftigen Entwicklungen bei Ökobilanzen bzw. im Zusammenhang mit nachhaltigem Bauen?


Gebäude-Ökobilanzen werden von Architekten und Planern zunehmend eingesetzt und können sich mittelfristig zum Standard für die Projektierung von Gebäuden entwickeln. Auf Produktebene haben Hersteller erkannt, dass nicht nur für eine Nachhaltige Bauweise Ökobilanzdaten erforderlich und sinnvoll sind. Vielmehr können Ökobilanzen bereits in der Produktentwicklung wichtige Entscheidungshilfen und belastbare Ergebnisse zur öffentlichen Kommunikation liefern. Der Einsatz von Ökobilanzen als Entscheidungshilfe wird im Baubereich ohne Frage zunehmen.


Wo sehen Sie die größten Anforderungen /Herausforderungen vor diesem Hintergrund in der Zukunft?


Die bislang größte Herausforderung - eine Harmonisierung der ökologischen Bewertung von Bauprodukten und Gebäuden auf europäischer Ebene ist jetzt gelungen. 2011 treten die entsprechenden europäischen Normen (EN 15978 für Gebäude und EN 15804 für Bauprodukte) in Kraft. Viele Hersteller haben den Nutzen von Ökobilanzen erkannt und sind Vorbild für andere, die mit der Zeit unweigerlich nachziehen. Umso mehr wenn kommende Anforderungen für den Handel von Produkten in der EU Umweltinformationen miteinschließen. Solche gesetzliche Regelungen, die dann Grundlage für das CE-Kennzeichen sind, sind in der Planung, allerdings existiert noch kein konkretes Datum.

Anna Braune ist Senior Consultant, Teamleader Building and Construction bei
PE INTERNATIONAL GmbH, Stuttgart


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