Dr. Peter Jahns, Effizienz-Agentur NRW

Dr. Peter Jahns

 

Was bedeutet Ressourceneffizienz für Sie?
Ressourceneffizienz bedeutet - kurz gesagt - mit weniger mehr erreichen. Vor dem Hintergrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und Energieträgern und des Klimawandels müssen die Unternehmen schonender mit Rohstoffen, also Material und Energie, umgehen und sie vor allem effizienter einsetzen. Der sparsame Umgang mit Ressourcen ist daher eine wichtige Stellschraube, um Kosten zu senken und ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Besonders produzierenden Unternehmen bietet sich einiges Potenzial, Ressourcen einzusparen. Es geht um die genaue Analyse der Fertigungsprozesse und die Suche nach Einsparpotenzialen. Ziel ist es, den Rohstoffeinsatz zu reduzieren, Ausschuss weitestgehend zu vermeiden, die Produktqualität zu steigern und Emissionen zu minimieren, um dadurch Produktionskosten zu senken und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.

Wo fängt für Sie Ressourceneffizienz an und woran machen Sie diese fest?
Ressourceneffizienz fängt natürlich bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe an und geht über die gesamte Wertschöpfungskette. In der Produktion aber spielt ein großer Teil der Musik. Alles, was hier eingespart werden kann, muss auch vorher nicht gewonnen und verteilt werden. Hieraus entsteht neben dem betriebswirtschaftlichen Nutzen ein Einspareffekt über die Unternehmensgrenze hinaus. Genau da ist unser Ansatz.

Was bedeutet das für Unternehmen?
Um eine ressourceneffiziente Produktion zu erreichen, bedarf es einer ausreichenden Transparenz über die Stoffströme und die technischen Prozessschritte, um die Verbesserungspotenziale zu erschließen und eine Strategie zu entwickeln, mit der die Potenziale systematisch genutzt werden können. Aber oft stellt sich gerade bei mittelständischen Unternehmen die Situation anders dar: nur teilwiese liegen ausreichende Kenntnisse über die innerbetrieblichen Stoffströme vor, eine unternehmensübergreifende Sichtweise ist nur eingeschränkt möglich, oft besteht hohe Abhängigkeit Abhängigkeit von Kundenvorgaben und knappe zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen gerade in kleineren Betrieben führen dazu, dass sich die Vorteile des ressourceneffizienten Wirtschaftens nicht ausreichend nutzen lassen. Wir gehen als "Coach" in die Unternehmen und ermitteln gemeinsam die konkreten Potenziale.

Wie gehen Sie da konkret vor?
Die Motivation der Unternehmen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, liegt vor allem in der Optimierung der Wirtschaftlichkeit. Das ist auch unser Hauptargument, und so sprechen uns die Unternehmen als unabhängigen Berater gerne an. Unsere Erfahrungen zeigen, dass konkrete und individuell zugeschnittene Unterstützungsangebote sowie die intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort in den meisten Fällen zu einer Initialzündung im unternehmerischen Handeln führen. Wir helfen, Hindernisse zu überwinden und zu verdeutlichen, dass sich eine ökologische Orientierung auszahlt. Durch unsere sechs Regionalbüros stellen wir speziell bei neuen Märkten auf lokaler Ebene eine Art Gegenbewegung zur Globalisierung fest. Also das "act local" ist mitunter sehr verschieden. Durch unsere Ansprechpartner vor Ort können wir die Unternehmen unmittelbar unterstützen, aber auch über regionale Partner erreichen. Die EFA führt dazu unter anderem Veranstaltungen mit Kammern und Verbänden durch. Ein weiterer Punkt ist die enge Kooperation vor Ort mit Stadtwerken, Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder wissenschaftlichen Einrichtungen für Technologietransfer.

Welche individuell zugeschnittenen Unterstützungsangebote sind das beispielsweise für die Zinkindustrie?
Mit unserem Instrument PIUS-Check (Produktionsintegrierter Umweltschutz) zerlegen wir beispielsweise die einzelnen Produktionsschritte und optimieren Faktoren wie Standzeiten, Kreislaufführung von Hilfsstoffen, Prozessstabilität und Energieverbrauch, Stichwort Wärmebehandlung oder doppelte Umschmelzprozesse. Mit dem Check sprechen wir in erster Linie die Techniker im Unternehmen an. Die Ressourcenkostenrechnung RKR dagegen richtet sich vorwiegend an die Ökonomen im Unternehmen, denn über diesen Weg wird ein neuer Blick auf ressourcenrelevante Prozesse eröffnet.

Können Sie konkrete Projekte Ihrer Arbeit für die Zinkindustrie nennen?
Neben Projekten beispielsweise bei den Firmen Rheinzink in Datteln und Grillo in Duisburg gab und gibt es auch eine Reihe in Unternehmen der Feuerverzinkungsindustrie.

Gibt es Effizienzagenturen auch in anderen Bundesländern?Leider nicht überall. Ähnliche Einrichtungen wie die EFA NRW gibt es in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden Württemberg. Auf Bundesebene arbeiten wir mit dem VDI Zentrum für Ressourceneffizienz zusammen, so haben wir beispielsweise gemeinsam eine Beraterqualifizierung entwickelt und bundesweit Berater geschult. Bei Interesse vermitteln wir aber gerne regionale Ansprechpartner.

Dr. Peter Jahns ist Leiter der Effizienz-Agentur NRW in Duisburg.

Die Effizienz-Agentur NRW (EFA)

Die Effizienz-Agentur NRW (EFA) wurde 1998 auf Initiative des NRW-Umweltministeriums gegründet. Bis heute hat sie über 1.100 Projekte zur Effizienzsteigerung in und mit kleinen und mittleren Unternehmen initiiert und begleitet. Sie ist keine Behörde, sondern als Unternehmensberatung Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.

25 Mitarbeiter setzen sich in Duisburg und den sechs EFA-Regionalbüros in Aachen, Bielefeld, Münster, Siegen, Solingen und Werl gemeinsam mit Fachpartnern dafür ein, dass Unternehmen von den Vorteilen des ressourceneffizienten Wirtschaftens profitieren können.Eine wichtige Tätigkeit über die reine Analyse von Abläufen hinaus ist die Begleitung der Umsetzung von Maßnahmenvorschlägen und in dem Zusammenhang die Beratung zur Identifikation geeigneter Fördermittel.

Ergänzende Hinweise: Für die Zinkindustrie ist der PIUS-Check am relevantesten.


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