Hans R. Peters, Institut Bauen und Umwelt e.V.

Hans R. Peters

 

„Was ist eine Umweltproduktdeklaration?“

Eine Umweltproduktdeklaration (engl. Environmental Product Declaration, kurz EPD) ist eine nach internationalen Normen standardisierte Umweltinformation („Öko-Label Typ III“) über ein Produkt. Kern einer EPD ist eine Ökobilanz nach ISO 14040/44 mit Angaben zu den Stoff- und Energieströmen im Herstellprozess sowie den wesentlichen Umweltwirkungen, wie z.B. dem Beitrag eines Produktes zum Treibhauseffekt oder zum Abbau der Ozonschicht. Darüber hinaus macht eine EPD aber auch Aussagen zu gesundheitsrelevanten Sachverhalten, wie z.B. VOC-Emissionen in die Innenraumluft, und enthält Angaben zur technischen Leistungsfähigkeit eines Produktes. Da die bereitgestellten Informationen auf Herstellerangaben beruhen, setzt die internationale Normung einen unabhängigen Verifizierungsprozess voraus. Dieser wird in Deutschland vom Institut Bauen und Umwelt e.V. organisiert. In seiner Funktion als Programmbetreiber sorgt es dafür, dass die Bilanzierung der Umweltwirkungen bei allen Herstellern unter gleichen Rand- und Rahmenbedingungen erfolgt und überprüft die Rechenergebnisse auf Plausibilität und Konsistenz.  Nur so kann eine Vergleichbarkeit der Produktangaben sichergestellt werden.

„Welche Bedeutung haben Umweltproduktdeklarationen speziell im Baubereich heute und wie wird sich diese Bedeutung in den kommenden Jahren entwickeln?“

Mit der Umsetzung von Prinzipien der Nachhaltigkeit im Bauwesen ist die Nachfrage nach transparenten und von unabhängiger Seite überprüften Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit von Bauprodukten in den letzten Jahren stark gestiegen. Architekten und Planer, das bauausführende Gewerbe, Bauherren , Investoren und die Bauverwaltungen: Sie alle benötigen technische und nichttechnische Informationen, um ihren Beitrag zu einem umweltverträglichen und gesunden Bauvorhaben leisten zu können – sei es durch die Auswahl, den Kauf und die Kombination geeigneter Materialien und Produkte oder durch deren sachgerechten Einbau, durch eine ressourcenschonende Nutzung und letztendlich deren Verwertung. Hinzu kommt: Da Bauprodukte nur selten Endprodukte sind, kommt ihre Wirkung in der Regel erst bei ihrer Verwendung in Bauteilen und den baulichen Anlagen zum Tragen. Dies unterscheidet Bauprodukte grundlegend von anderen Produkten. Eine sachgerechte Bewertung kann daher nur im Kontext der baulichen Anlage – vor dem Hintergrund der konkreten Nutzung und Einbausituation – erfolgen.  In diesem Sinne legen sowohl das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) als auch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ihren Fokus bei der Gebäudebewertung auf die Gesamtleistung eines Bauwerks. Eine Vorauswahl zugunsten eines speziellen Produktes wäre nicht sachgerecht und findet  daher nicht statt. Die Optimierung des ökologischen Verhaltens erfolgt stattdessen mit Hilfe einer Gebäudebilanz, für die die EPDs der Baustoffe die zentrale Datengrundlage bilden. Teilweise werden EPDs deshalb auch schon heute in Ausschreibungs- und Vergabeprozessen verlangt. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die künftigen normativen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa. Die Europäischen Institutionen (Kommission, Rat und Europäisches Parlament) sehen in Umwelt-Produktdeklarationen das geeignete Mittel, um die Umweltleistung von Bauprodukten zu kommunizieren. Mit dem Mandat M350 hat die Kommission CEN beauftragt, einheitliche Anforderungen für EPDs in Europa zu erarbeiten (CEN/TC 350). Voraussichtlich ab 2011 werden EPDs Bestandteil der europäischen Bauprodukten-Verordnung sein, die die Bauprodukten-Richtlinie ablösen wird. Erstmals wird darin auch die Anforderung der Nachhaltigkeit von Bauwerken als eine von nunmehr 7 Basisanforderungen an bauliche Anlagen aufgenommen. Im Gegensatz zur europäischen Richtlinie werden die neuen Regelungen in den Mitgliedsstaaten unmittelbar rechtsverbindlich sein. Die Verordnung wird voraussichtlich im Jahre 2013 in Kraft treten.

„Wie sieht die Umsetzung des Themas Nachhaltigkeit in der kommenden Bauprodukten-Verordnung konkret aus? “

Nach dem derzeitigen Stand des Gesetzgebungsverfahrens sieht es so aus, dass für die Vermarktung von Bauprodukten in Europa auch die neue Basisanforderung Nr. 7 an Bauwerke berücksichtigt werden muss. Damit soll ein Mindestschutzniveau für Gebäudenutzer und Umwelt sichergestellt werden. Hinter der neuen Basisanforderung Nr. 7 „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ verbergen sich Kriterien wie die Recyclebarkeit des Bauwerks und seiner Baustoffe, die Dauerhaftigkeit des Bauwerks und der ressourcenschonende Einsatz von Rohstoffen und Sekundärbaustoffen. In diesem Kontext kommt der Ökobilanzierung von Baustoffen eine fundamentale Bedeutung zu. Gleiches gilt für die bereits bestehende Basisanforderung Nr. 3 in Bezug auf „Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz“. In den Erwägungsgründen zum Verordnungsentwurf  wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Bewertung der nachhaltigen Nutzung der Ressourcen sowie für die Beurteilung der Umweltauswirkungen von Bauwerken auf EPDs zurückgegriffen werden soll. Hersteller von Bauprodukten, die bereits über eine Umwelt-Produktdeklaration verfügen, brauchen sich also über die aus der künftigen Bauprodukten-Verordnung resultierenden Anforderungen in Bezug auf Umwelt, Gesundheit und Nachhaltigkeit keine Sorgen zu machen. „Gibt es bereits  Umwelt-Produktdeklarationen zu Zinkprodukten?“ Ja! Umwelt-Produktdeklarationen gibt es beim IBU mittlerweile für nahezu alle Werkstoffbereiche. Die Metall verarbeitende Industrie gehört dabei zu den Vorreitern. Zwei führende Hersteller von Zinkerzeugnissen haben Umwelt-Produktdeklaration für ihre Titanzinkprodukte erstellt, die für zahlreiche Bauanwendungen, wie z.B. Bedachung, Fassadenbekleidung oder Dachentwässerung, zum Einsatz kommen. Der Werkstoff Zink zeichnet sich durch seine Langlebigkeit, Nutzungsbeständigkeit und hohe Recyclingfähigkeit  aus – Eigenschaften, die für das nachhaltige Bauen essenziell sind.

„Was sollten Unternehmen berücksichtigen, die sich für eine Umwelt-Produktdeklaration interessieren?“

Die Bereitstellung der Daten, insbesondere die für die Berechnung der Ökobilanz notwendigen Angaben zu den während der Produktion anfallenden Stoff- und Energieströmen, ist sicherlich mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden. Bis die EPD veröffentlicht werden kann, vergeht oft ein halbes Jahr. Der Aufwand lohnt sich aber: Denn gerade die Datensammlung bildet den Ausgangspunkt, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Es kommt nicht selten vor, dass uns Firmen berichten, erst in Zusammenhang mit der EPD-Erstellung auf Prozesse aufmerksam geworden zu sein, bei denen Energie verschwendet worden ist. Die Hinterfragung und Optimierung der eigenen Prozesse wirkt sich somit nicht nur langfristig positiv auf die Umwelt, sondern auch auf die Kostensituation des Unternehmens aus.    

Hans R. Peters, Geschäftsführer Institut Bauen und Umwelt e.V. Diplom-Ingenieur; Jahrgang 1953; Studium Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal. Dort bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Baukonstruktion und Bauphysik. Bis 1994 beim Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie; bis 2006 Geschäftsführer der Deutschen POROTON GmbH. Heute u.a. Geschäftsführer des  IBU – Institut Bauen und Umwelt e.V. und Lehrbeauftragter für Mauerwerksbau an der Hochschule Biberach.


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