Johann Wackerbauer, ifo institut

Johann Wackerbauer

 

Was bedeutet Ressourceneffizienz für Sie, gibt es eine ifo-Definition?
Ressourceneffizienz bedeutet zunächst, dass ein bestimmter Output mit geringstmöglichem Ressourceneinsatz erwirtschaftet wird bzw. mit einer bestimmten Menge an Ressourcen der größtmögliche Output. Das ist volkswirtschaftliches Grundwissen. Im Zeitverlauf wird die Veränderung des Verhältnisses zwischen volkswirtschaftlichem Produktionsvolumen und Ressourceneinsatz mit der Rohstoffproduktivität gemessen. Diese drückt nach der Definition des Statistischen Bundesamtes aus, wie viel Bruttoinlandsprodukt (in Euro, preisbereinigt) je eingesetzter Tonne abiotischem Primärmaterial erwirtschaftet wird. Zum abiotischen Primärmaterial zählen die im Inland entnommenen Rohstoffe - mit Ausnahme der land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse - sowie alle importierten abiotischen Materialien (Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren).

Wo fängt für Sie Ressourceneffizienz an und woran machen Sie diese fest?
Das beginnt einzelwirtschaftlich mit der Reduzierung von Schwund sowie der Kreislaufführung von Wertstoffen im Produktionsprozess und geht gesamtwirtschaftlich mit der Erhöhung der Recyclingquoten weiter. Zwischen 1994 und 2009 konnte in Deutschland eine Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Rohstoffproduktivität um 46,8% erreicht werden. Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung strebt bis zum Jahr 2020 sogar eine Verdoppelung gegenüber dem Stand von 1994 an, was noch erhebliche Anstrengungen erforderlich macht.

Was bedeutet das aktuell bzw. zukünftig für die mittelständische Industrie?
Die Steigerung der Ressourceneffizienz ist angesichts von Verknappungen auf den Rohstoffmärkten nicht nur aus volkswirtschaftlicher, sondern auch aus unternehmerischer Sicht geboten. Nach unseren Befragungsergebnissen hat die Ressourceneffizienz in der Produktion bei knapp 70% der Umfrageteilnehmer in den vergangenen drei Jahren eine zunehmende Rolle gespielt. Was die Produktgestaltung betrifft, so war bei sie etwas mehr als der Hälfte der Umfrageteilnehmer von steigender Bedeutung. Dabei lagen die Großbetriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten um einige Prozentpunkte über den mittelgroßen Betrieben (zwischen 50 und 249 Beschäftigte). Das lässt vermuten, dass im Mittelstand noch ungenutzte Potenziale zur Ressourceneinsparung vorhanden sind, die es sich bei weiter steigenden Rohstoffpreisen zu nutzen lohnt.Wo sehen Sie für die Unternehmen a) das größte Handlungspotenzial und b) den größten Handlungszwang?Der größte Handlungszwang wird wohl von weiteren Rohstoffverknappungen und daraus resultierenden Preiserhöhungen bei Rohstoffen kommen. Handlungspotenziale eröffnen sich durch die Einführung betrieblicher Umweltmanagementsysteme.

Was bedeutet das für Sie konkret für die NE-Metallindustrie?
In der Metallerzeugung und -bearbeitung hatte die Ressourcenproduktivität in den vergangenen Jahren ohnehin eine höhere Bedeutung als im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes: Hier wurde von über 85% der Befragungsteilnehmer eine zunehmende Rolle in der Produktion und von über 60% eine zunehmende Rolle in der Produktgestaltung konstatiert. Dies lässt andererseits den Schluss zu, dass die Produktgestaltung noch ungenutzte Möglichkeiten zur Ressourceneinsparung bietet.

Johann Wackerbauer, ist stellvertretender Bereichsleiter Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen am ifo Institut, München. Er ist Autor der Studie "Energie-, Material- und Ressourceneffizienz: ZunehmendeBedeutung im verarbeitenden Gewerbe, ifo Schnelldienst 21/2011, S. 26-31 (zum Download)


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